Neue Festplatte in Betrieb nehmen

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Neue Festplatte in Betrieb nehmen

Beitrag  Blindenhund am Fr 17 Feb 2012, 15:43

Achtung: Das gilt nicht für Rechner mit UEFI! Dazu muss was geschrieben werden, wenn wir klarer sehen!!

Wer eine neue Festplatte in Betrieb nimmt, hat ein bisschen Arbeit. Es ist nicht damit getan, diese einfach einzubauen und "mach ma" zu sagen. Man sollte sich schon genau überlegen, was die Platte hinterher für Aufgaben haben soll:

- Wird es die neue Systemplatte, weil die alte zu lütt ist?
- Soll die Platte ausschliesslich für Datensicherungen herhalten? Und brauch ich da eine Partition für Win und eine für einen Pinguin?

Zunächst sollte man sich also schlau machen, wie man partitioniert - GParted bietet sich dazu selbstredend an und da sollte man die GParted-Live-CD nehmen und nicht das GParted von der Platte nutzen.

Glaubt es mir - dieses bisschen "Basishintergrundwissen" muss man wirklich beherrschen!!

Was man diesbezüglich noch wissen muss: In der Informatik wird nicht mit 1.000 sondern mit 1.024 gerechnet. Also Taschenrechner marsch!


Zuletzt von Blindenhund am Sa 18 Feb 2012, 10:39 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet

Blindenhund
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=Teil 2= gebrauchte Platte - egal woher!

Beitrag  Blindenhund am Fr 17 Feb 2012, 16:06

Davon ausgehend, daß sie angeschlossen ist:

Auf der GParted-Live ist auf dem Desktop ein Terminal-Icon. Doppelklick.

Wir geben folgenden Befehl ein:
Code:
sudo fdisk -l

und schauen, welche platte die "Neue" ist. Meistens ists ja nicht die bereits installierte Systemplatte sondern eine zusätzliche. Also muss es sdb, sdc etc. sein - schaut da ganz genau hin weil das, was gleich kommt, nicht rückgängig zu machen ist!! sudo verlangt hier in diesem Fall kein Passwort.

Ich hatte kürzlich das "Vergnügen" mit einer Platte einer Bekannten - Beim Versuch der Datenrettung wurden 68 Win-Troyaner wiederhergestellt und natürlich gleich gelöscht. Die Bekannte hatte da aber nie ein Win drauf!

Und jetzt kommt der fiese Befehl:

Code:
sudo dd if=/dev/urandom of=/dev/sdc && sudo dd if=/dev/zero of=/dev/sdc

Wobei: sd = HDD und c = die dritte wäre. Schaut genau hin, was fdisk für die gewünschte HDD als Buchstaben ausgibt - es ist nicht reparabel!!

Mit dem obigen Doppelbefehl wird die Platte einmal komplett mit Zufallswerten und einmal mit Nullen überschrieben - also 2x. Das läuft ne Weile und ich hoffe, es ist eine interne Platte und nicht eine an USB1.2. Die könnte 2 Tage beschäftigt sein!

Sicherheitshalber habe ich keinen Parameter (bs=512 / bs=1024 / bs=2048) angegeben, damit die bis ins letzte Byte überschrieben wird.

Kopiert den Befehl - auch auf der GParted-CD ist ein Browser! Oder kopiert den in eine Textdatei auf einen Stick und ruft ihn von dort aus auf! Abschreiben ist immer so eine Sache!!

Noch einen Hinweis: Warum wohl über GParted-CD und nicht über GParted aus dem laufenden Pinguin heraus? Weil bei GParted-CD nichts automatisch gemountet ist und eine CD nicht komprimittiert werden kann. Somit keine Gefährdung fürs System!

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=Teil 3= Gparted marsch!

Beitrag  Blindenhund am Sa 18 Feb 2012, 09:33

Wir booten also über die GParted-CD und schliessen die Platte an. GParted kann beim Starten auf Deutsch eingestellt werden.

Was jetzt kommt, ist für beide gleich - mit einem kleinen Unterschied: Das erste Bild gilt nicht für mit dd genullte Platten. Da ists das zweite Bild mit dem durchgehenden grauen Balken. Aber gemacht werden muss trotzdem das Gleiche!



Rechts im Kopfteil steht die Platte, die "in Arbeit" ist - da dürfte /dev/sda stehen. Umstellen auf /dev/sdb etc. und noch einmal ganz genau hinsehen, ob es auch die richtige ist!!

Danach gehen wir oben im Menu auf [Laufwerk] und nehmen gleich den ersten Punkt. Partitionstabelle erstellen. Wir wollen/müssen eine neue MS-DOS-Partitionstabelle erstellen; alle Einstellungen dazu sind von Haus aus richtig - also einfach alles mit OK / Anwenden bestätigen!

Jetzt sieht die Platte so aus:



Nun ist die Platte zur weiteren Partitionierung vorbereitet.

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=Teil 4= Datenplatte erstellen

Beitrag  Blindenhund am Sa 18 Feb 2012, 09:57

In diesem Falle gehen wir mal davon aus, daß wir eine Platte für Datensicherungen einrichten wollen. Wir brauchen eine Partition für Windows und eine für Linux; bei Win gehe ich mal davon aus, daß keine Dateien > 3.99 GB vorhanden sind und wähle FAT32 weil es pflegeleichter ist, als NTFS:

Wir klicken mit der rechten Maustaste in das graue Feld und sagen "Neu". Durch das jetzt auftauchende Fenster arbeiten wir uns mit der TAB-Taste durch!



Vor der 1. Partition lassen wir 8 MB frei. Die Partition selber soll 96GB gross werden. 96x1024 = 98304; Ausrichten an Zylinder und nicht an MiB. Alle anderen Einstellungen so abtippen/vornehmen/vornehmen lassen (Die Speichergrössen werden bei Verwendung der TAB-Taste automatisch berechnet!) bzw. für den eigenen Bedarf anpassen. Ich habe jetzt ext2 genommen, um unnötige Schreibzugriffe durch die Journailing-Filesysteme (ext3 / ext4) zu verhindern.

Wenn wir alle Eingaben noch einmal kontrolliert haben, drücken wir auf "Hinzufügen"! Jetzt steht da unten ein hängender Job. Den lassen wir erst einmal wo er ist und drücken wieder in den grauen Balken mit Rechtsklick und "Neu" - nächste Partition:



Hinter der zweiten und hier letzten Partition habe ich wieder Platz gelassen. Ich möchte keinesfalls zufällig in den reservierten Bereich reinrutschen. Einfach so abtippen - 32MB sind wirklich zu verkraften! Bei den neuen Platten ab 2TB einschliesslich muss man sogar 512 MB freilassen.

Jetzt siehts so aus:



Nun müssen wir die beiden ausstehenden Jobs nur noch anwenden - oben ist je nach GParted-Version ein grüner Haken oder das Symbol der ENTER-Taste. Draufklicken und Anwenden bestätigen. Jetzt werden die Partitionen angelegt und gleichzeitig auch überprüft. Wir brauchen diese Details auch nicht anzuschauen (kann man aber interessehalber ruhig mal machen!) und erst recht nicht abzuspeichern. Also: Schliessen...

Soviel zur Datenplatte.

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=Teil 5= Als Systemplatte verwenden

Beitrag  Blindenhund am Sa 18 Feb 2012, 10:28

Die Arbeit ist die Gleiche - die Aufteilung nur eine andere...

Zuallererst müssen wir uns Gedanken machen, was wir auf der Platte installieren wollen. Dann haben wir natürlich alle den Link zu Partitionieren gelesen und verinnerlicht - es gehen drei primäre und eine erweiterte Partition, in der noch einmal etliche logische Partitionen stecken können. Das sollte man aber nicht übertreiben - sie werden immer langsamer je weiter sie "hinten" stehen.

Logische Partitionen sind von Haus aus schon langsamer, als primäre - man sollte sich also wirklich überlegen, was man da reinpackt! Und leider sind sie auch etwas unsicherer. Ein Crash im Superblock und - nun ja... Malen wir den Twisted Evil Evil or Very Mad Twisted Evil lieber nicht an die Wand!

Wie im Einsteiger-Leitfaden schon geschrieben - Daten haben im Betriebssystem nichts zu suchen!

Wenn wir also davon ausgehen, daß wir XP, Mint (wasauchimmer...) Daten, SWAP brauchen, dann würde meine Einteilung bei meiner Plattengröße in etwa so aussehen:



Dazu noch einen Hinweis: Die 4. primäre Partition wird als Erweiterte/Extended angelegt:



Achtet hierbei auf die 32MB!! Die jetzt folgende 2. Linuxpartition ist ganz normal - also ohne Bild. Aber die Windows-Datenpart braucht ein Bild:



Wir sollten nämlich nicht vergessen, Platz für SWAP zu lassen!!

Wenn dann alles fertig aufgeteilt ist, dann lassen wir die hängenden Jobs anwenden indem wir oben auf den grünen Haken bzw. das ENTER-Symbol drücken!

Diese Platte ist jetzt ein für alle mal durchpartitioniert - jetzt muss nur noch beim jeweiligen Installationsvorgang die entsprechende Systempartition formatiert werden.

Gleich als Tip: Die Datenpartitionen kann man gleich bei der Installation einbinden! Einfach einhängen als /home/blindenhund/Daten bzw. /home/blindenhund/Windaten. Logisch, daß anstelle "Blindenhund" Euer User reinkommt oder?

Gleich noch mal eben ein Test mit fdisk:
Code:

Disk /dev/sdc: 250.1 GB, 250059350016 bytes
255 heads, 63 sectors/track, 30401 cylinders, total 488397168 sectors
Units = sectors of 1 * 512 = 512 bytes
Sector size (logical/physical): 512 bytes / 512 bytes
I/O size (minimum/optimal): 512 bytes / 512 bytes
Disk identifier: 0x000c9f47

  Device Boot      Start        End      Blocks  Id  System
/dev/sdc1          16065    41961779    20972857+  7  HPFS/NTFS/exFAT
/dev/sdc2        41961780    83907494    20972857+  83  Linux
/dev/sdc3        83907495  218130569    67111537+  83  Linux
/dev/sdc4      218130570  488327804  135098617+  5  Extended
/dev/sdc5      218130633  260076284    20972826  83  Linux
/dev/sdc6      260076348  479941874  109932763+  b  W95 FAT32
/dev/sdc7      479941938  488327804    4192933+  82  Linux swap / Solaris

Sauber - alle Partitionen sind sauber an Zylinder ausgerichtet.

Viel Spass!

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=Teil 6= Grundsätzliches

Beitrag  Blindenhund am Sa 18 Feb 2012, 11:57

Abschliessend zu diesem Thema möchte ich noch etwas loswerden!

Es ist zwar schön und gut, daß aus Kosten/Leistungs-sicht eine 1TB-Platte preiswerter ist (Kosten pro GB) als eine 500er. Man kann und sollte sie sich auch kaufen. Aber keiner sagt, daß die Platte dann vollgeknallt werden muss - hier wird immer wieder vergessen, daß man dann auch als externe eine mit 1TB braucht wegen Datensicherung und schlimmstenfalls Datenrettung!

Vergesst nicht immer die Datensicherungen! Die 250er aus obigem Beispiel ist groß genug wie Ihr seht. Und noch etwas zu Datensicherungen: Niemals per WINRar/TAR/FileRoller komprimieren - ein CC-Fehler und alles ist futsch. Immer als 1:1-Kopie per Synctoy (Win) oder rsync (Linux) sichern!

Im Falle, daß auf sdc5 ein Testpinguin installiert werden soll, wird natürlich der Grub nicht in den MBR sondern in den PBR /dev/sdc5 geschrieben. Die Verwaltung von Grub wird in diesem Fall über den Obermacker = /dev/sda2 vorgenommen, der den Grub in den MBR geschrieben hat. Dazu müssen wir den booten und:
Code:

sudo update-grub

im Terminal eingeben. Dann ist der zweite Pinguin dort ansteuerbar. Den Befehl muss man übrigens bei jedem Kernel-Update wiederholen!!

*Ende des Threads*



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Re: Neue Festplatte in Betrieb nehmen

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